Inzuchtkoeffizient

Auf dieser Seite wird die genetischen Kennzahl “Inzuchtkoeffizient” erläutert. Den Inzuchtkoeffizienten kann sich jeder Züchter für eine angestrebte Verpaarung durch den Bolonka-Ahnenkompass kostenfrei ermitteln lassen und so bei der Wurfplanung berücksichtigen.

Doch was steckt eigentlich hinter dieser Kennzahl und warum ist sie für das Zuchtgeschehen so bedeutungsvoll?

Inzuchtkoeffizient

Jeder Genort (Genlocus) ist durch zwei Allele (Gene) gekennzeichnet. Der Inzuchtkoeffizient gibt die Wahrscheinlichkeit für die Herkunftsgleichheit der beiden Gene eines Genortes an. Herkunftsgleichheit bedeutet, dass die beiden Gene eines Genlocus Kopien ein und desselben Gens sind.

Der Inzuchtkoeffizient gibt also an, wie nahe die beiden Elterntiere eines Wurfes miteinander verwandt sind.

Mit der Formel für den Inzuchtkoeffizienten lässt sich der Grad der Verwandtschaft zwischen zwei Tieren berechnen. Diese Formel lautet IK = (1/2)^(n1+n2+1) , wobei n1 die Anzahl der Generationen zwischen dem Vater und dem gemeinsamen Vorfahren mit der Mutter angibt und n2 die Anzahl der Generationen zwischen der Mutter und dem gemeinsamen Vorfahren angibt.

Bei nicht enggezüchteten und nicht verwandten Elterntieren (aus unterschiedlichen Blutlinien) ist der IZK niedrig. Bei nicht enggezüchteten, aber nah verwandten Elterntieren (aus einer Blutlinie) ist der IZK hoch. Bei zwei enggezüchteten Elterntieren aus jedoch unterschiedlichen Blutlinien ist der IZK niedrig. In letzterem Fall kommt der Züchter an einen Punkt, wo die Bestimmung des IZK nicht mehr genügt, sondern auch der Ahnenverlustkoeffizient als Kennzahl für die Wurfplanung herangezogen werden muss.

Bei einer Verpaarung sollte ein Inzuchtkoeffizient von < 6,25 % angestrebt werden. (vgl. Krautwurst, 2002, S.130)

Bedeutung für die Rassehundezucht

Durch Inzucht kommt es zu einer vermehrten Dopplung von Genen, d.h. die genetische Varianz der betroffenen Tiere ist geringer als möglich bzw. geringer als die durchschnittliche Varianz der Rassepopulation. Es ist festzuhalten, dass “durch Inzucht direkt keine Erbkrankheiten entstehen, sondern erst durch die inzuchtbedingte Anhäufung von vorwiegend rezessiven Defektgenen im Genpool. Die Defektgene als solche sind das Ergebnis von Mutationen, die bei allen Individuen erfolgen.” (Krautwurst, 2002, S. 136) Jeder Hund, ob gesund oder erkrankt, trägt rezessive Defektgene in sich. Kritisch wird es erst, wenn der gleiche rezessive Defekt mehrfach in der Ahnenfolge vorkommt, da hier die Wahrscheinlichkeit überdurchschnittlich ist, dass der rezessive Defekt in Form von Krankheit deutlich wird und ein Tier zu leiden hat. Durch Inzucht wird das gehäufte Vorkommen von gleichen Genen forciert, dies gilt für Genorte mit erwünschten Eigenschaften ebenso wie für Defektgene.

Gerade bei einer kleinen Zuchtpopulation, wie sie beim Bolonka vorliegt, kann Inzucht schnell zu einem Rasseproblem mit fatalen Folgen werden. Verminderte Leistungsfähigkeit, Fehlbildungen an Gliedmaßen und Organen, Stoffelwechselstörungen und verminderte Fruchtbarkeit sind nur ein grober Umriss davon, was im Falle einer Inzuchtdepression vermehrt auf Züchter und Halter zukommen wird.

Zum Schutz der Rassegesundheit empfielt das Bolonka-Zentrum einen Inzuchtkoeffizienten von 6,25 % für die Welpen aus einer angestrebten Verpaarung nicht zu überschreiten.

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